Retter in Latzhosen
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So stand es zum Jahreswechsel '06-'07 in der Online-Ausgabe der Westdeutschen Zeitung:
Rettungsschwimmer in Latzhosen
Bockum. Im Eingangsbereich des Badezentrums in Bockum hängt ein großes Schild mit Verhaltensregeln für den Besuch der Schwimmhalle. Unter anderem verboten sind lange Hosen und T-Shirts im Wasser. Doch im großen Becken pfeifen einige Schwimmer scheinbar auf diese „Kleiderordnung“.
In weißen Gewändern über den Badesachen, Pyjamas nicht unähnlich, kraulen sie Bahn um Bahn, üben sich in den Disziplinen Brust und Rücken, oder tauchen einfach mal kurz ab. Michael Rajkovic, den Schwimmtrainer am Beckenrand, scheint das seltsame Treiben nicht zu stören, im Gegenteil: „Sie können jetzt auch ins Wasser“, ruft er Jennifer Manzo aufmunternd zu. „Iiihh“, macht die 17-Jährige, als sie nach einem beherzten Sprung mit vollgesogenen Textilien wieder an der Oberfläche erscheint.
„Rettungsfähigkeit in der Wasseraufsicht“ heißen die Kurse vom Stadtsportbund und dem Fachbereich Sport und Bäder. Sie richten sich vor allem an Lehrer, Übungsleiter und Betreuer, die beispielsweise auf im Wasser tobende Kinder aufpassen müssen.
Bei Bestehen der schwierigsten Theorie- und Praxisprüfungen im Angebot gibt es das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Im Anschluss an einen Ankreuz-Test mit Fragen rund um das Thema Sicherheit im Wasser müssen die Teilnehmer für mehrere Stunden ins gechlorte Nass, etwa für das ausnahmsweise erlaubte – ja sogar geforderte – „Kleiderschwimmen“.
Fit für Polizei-Arbeit und Segel-AG
Jochen Deußen (46) steigt für eine kurze Pause aus dem Becken, die weiße Latzhose klebt an seinen Beinen. „Ich möchte meine Fähigkeiten für den Notfall verbessern“, erklärt der Anwärter auf das Silber-Abzeichen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG: Der Sozialpädagoge Deußen betreut die Segel-AG an der Montessori-Gesamtschule.
Auch für Jennifer Manzos Teilnahme gibt es berufliche Gründe. Sie möchte zur Polizei und benötigt für eine vollständige Bewerbung noch den „bronzenen“ DLRG-Adler. Zu den Übungen, die sie und die anderen zehn Teilnehmer beherrschen müssen, gehören „Befreiungsgriffe“. Mit ihnen soll sich der Helfer aus der Umklammerung eines in Panik geratenen Ertrinkenden lösen können, wie Bernd Raue, zuständig für die Organisation der Kurse, erklärt. Michael Rajkovic macht es auf dem Trockenen vor – und wirkt mehr wie ein Judoka als ein Schwimmer.
Mit am schwierigsten ist das „Schleppen“ in Kleidung. Dabei müssen die „Retter“ nicht nur sich selbst über Wasser halten, sondern auch das „Opfer“ im „Achsel“- oder „Kopfgriff“ hinter sich herziehen. Die große Anstrengung ist deutlich zu erkennen: Die Gesichter sind tiefrot. „Die Teilnehmer wissen abends, was sie getan haben“, sagt Bernd Raue.
03.01.2007
Von Daniel Boss
Von Daniel Boss